Das Wortkarussell
 

© für den Buchwussel-Gif

 Wolfgang Stoesser



Ein schöner Ort



Zufallsspruch:
Es gibt nichts, was aus sich moralisch oder unmoralisch ist; die Deutung eines Phänomens macht es zu einem moralischen oder unmoralischen.

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Lyrikecke - Lyrik-Linkliste


Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Leseproben

Gechichten aus der Bahnhofstraße -3-


Raupen und Kartoffelkäfer

Mein Taschengeld musste ich mir erarbeiten.
Meine Großeltern waren sehr stur, wenn ich einen Groschen haben wollte.
Raupen von Salat und Kohlpflanzen zu sammeln, das war wirklich keine schöne
Beschäftigung.
Großvater hat niemals Vernichtungsmittel gespritzt.
Er war der Meinung, dass die Natur das alles selbst regelt und wenn es nicht ausreicht
der Mensch den Rest der Arbeit verrichten muss.
Also hatte ich wirklich genug zu tun.
Für 20 gesammelte Raupen gab es einen Groschen.
Um beim Kartoffelkäferlesen allerdings ein wenig Geld zu bekommen,
musste ich mich mächtig anstrengen.
Die Konkurrenz war groß. Da gab es für 100 Kartoffelkäfer erst den heiß begehrten
Groschen. Ein Groschen war viel Geld für uns Kinder. Dafür gab es immerhin eine kleine Tüte Himbeerbonbons oder eine Eiskugel. Auch bekam man dafür zwei >Negerküsse<.
Sparen musste man davon auch, vielmehr die Groschen sammeln, um sich auch einmal das geliebte Mickymausheft leisten zu können.
Oft bin ich zu meiner Tante Minna gelaufen. Sie war die Schwester meiner Großmutter,
und hat mir oft lächelnd etwas zugesteckt.
Heute freue ich mich, wenn ich einmal eine Raupe oder einen Kartoffelkäfer sehe.
Müsste ich mir heute mein Taschengeld verdienen, hätte ich keine Chance. Es wird gespritzt
was das Zeug hält. Schade, wirklich sehr schade! Für die Kartoffelkäfer, die Raupen und uns
Menschen .
Katzen taufen

Unser Hof gehörte zu den größten und schönsten im Dorf.
Ich kann Euch versichern, dass jedes von uns Kindern das über seinen Hof auch gesagt hat.
Wir waren stolz und unsere Geschichten kreisten stets um unsere Tiere.
So wetteiferten wir z. B. mit der Zahl unserer Katzen.
Bei uns waren es wirklich sage und schreibe 32 Fellnasen, die auf unserem Hof zu Hause waren.
Meine Schwester und ich fanden das natürlich super. Auch liebten wir unsere Pflegeeltern sehr, weil sie wirklich nicht zu jenen Bauern gehörten, die kleine Katzen in den Brandweiher
warfen. Nein – mann muss der Natur ihren Lauf lassen pflegten sie immer zu sagen!
Wir haben ständig unsere kleinen Freunde herumgetragen.
Mein alter Kinderwagen war oft voll beladen mit kleinen Katzen, die wir spazieren fuhren.

Ja, heute weiß ich wohl, dass man so etwas nicht machen sollte.

Nur damals waren unsere Katzen Puppenersatz. Davon mal abgesehen, dass eine Puppe wohl kaum eine schnurrende Katze ersetzen kann.

An Regentagen trafen wir Kinder uns meistens in der großen Wohnküche bei uns zu Hause.
Wir gingen regelmäßig am Sonntag zum Kindergottesdienst. Wenn da auch nur einer gefehlt hat, wurde es am nächsten Sonntag von der Kanzel namensmäßig genannt.

Wir Kinder jedenfalls kamen auf die Idee, unsere Katzen zu taufen.
Und das wie gesagt fand eben meistens an Regentagen statt. Na und bei soviel Katzen waren Taufen sehr oft angesagt.

Meine Pflegeeltern hatten in ihrem Wohnzimmer ein richtig dickes Kreuz und silberne Kerzenleuchter mit dicken Kerzen gab es auch.

So schleppten wir das alles in unsere Küche, füllten die silberne Keksschüssel mit Wasser und dann konnte die Zeremonie beginnen.

Gesungen haben wir selbst, der Täufling wurde in die Spitzentischdecke gehüllt, und wir segneten ihn oder sie genau so, wie wir es in der Kirche gelernt hatten.

Die Katzen haben stillgehalten – nicht eine hat gekratzt.

Heute denke ich, die müssen gespürt haben, dass wir Kinder es nur gut gemeint haben.

Ich habe dann noch hinterher einen Haferbrei ganz ohne Anbrennen gekocht und wir haben alle zusammen gemampft und somit gefeiert.

Wenn die Erwachsenen dann zur Tür herein schauten, staunten sie nicht schlecht und geschimpft hat niemand. Das hätten wir auch nicht verstehen können.
Für uns stand fest, Katzen müssen eben auch getauft werden.

Immer wenn ich hier oben unsere Katzen sehe, muss ich daran zurückdenken und das mache ich sehr gerne…….

Nickname 10.09.2009, 19.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschichten aus der Bahnhofstraße -2-



Das sind die einzigsten Bilder die ich von meiner Kindheit habe......
Mein Stückchen Erinnerung in Form von Bildern, den Rest trage ich im Herzen, in der Seele und ......





Das große Haus

Mir kam das Haus zu jener Zeit und auch später wunderschön vor.
Ich liebte es und genoss die Zeit, die ich dort verbringen durfte.
Es war diese Ausstrahlung, diese Wirkung welches es als Kind auf mich hatte.
Groß, mächtig, stark und stolz. So eine Art Trutzburg inmitten von Scheunen, Stallungen
und drei wunderschönen Gärten. Vor unserem Haus, genau neben der Regentonne, stand ein
riesiger, alter Walnussbaum. Um diesen herum hatte Großvater eine Bank gezimmert zusammen mit einem knorrigen Holztisch. Er war nach der Feldarbeit ein Treffpunkt für
Familie und Nachbarn. Hier wurde so manches Lied gesungen, so mancher selbst gebrannte
Pflaumenschnaps gekippt und Pfeifenrauch in die Landluft gepustet während man am Sonnenuntergang das Wetter für den nächsten Tag ablas.
Das Dach unseres Hauses diente den Schwalben mit ihren zahlreichen Nestern als Schutz.
Vom Haus zu Scheune hin war eine Stromleitung gezogen. Hier konnten die kleinen Schwalben ihre ersten Flugversuche machen.
Schön war es, sie zu beobachten. Die Katzen leckten sich vergeblich die Mäulchen.
Die leckere Mahlzeit flog ihnen einfach zu hoch.
Auch eine Garage war auf unserem Hof zu finden. Davor zwei Hundehütten, an denen Tasso
und Wotan angekettet Besucher argwöhnisch beobachteten.
Ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich an unseren ängstlichen Briefträger denke.
An unserem Einganstor befand sich eine riesige Klingel.
Sobald der Briefträger nur in der Nähe war, begannen die beiden Hunde zu bellen und die Zähne zu fletschen. Sie zerrten an ihren Ketten und zogen so ihre Hundehütten über den halben Hof. Der traute sich meist nicht einmal in die Nähe der Klingel und so rief er lauthals:
„Die Post ist da!“
Großmutter ist dann ganz schnell zum Hoftor geeilt, damit
Briefträger Müller das Weite suchen konnte.
Unser schönes Haus war übrigens in zwei Hälften geteilt.
Das nannten wir Kinder Himmel und Hölle.
Unten da wohnten unsere Großeltern die uns mit viel Liebe
in der wenigen Zeit, die ihnen die Arbeit noch ließ, versuchten
die Eltern zu ersetzen.
Oben im ersten Stock wohnten eigentlich wir und sollten, wie es sich gehört, von unserer Mutter behütet aufwachsen.
Da diese aber kein Interesse an uns Kindern hatte, waren wir meistens unten
bei unseren Großeltern. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht!
Mehr möchte ich hier an dieser Stelle dazu nicht schreiben denn das würde nur die Romantik zerstören.

Nickname 10.09.2009, 19.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschichten aus der Bahnhofstraße - 1-


Unser Dorf

Unser kleines Dorf hieß damals noch Anspach und hatte ca. 3000 Einwohner.
Ich weiß nicht, ob das zu meiner Kindheit wirklich so viele Menschen waren.
Das kann ich mir gar nicht vorstellen denn ich glaube fest, dass ich alle im Ort
gekannt habe.
Damals gab es noch keinen einzigsten Traktor. Könnt ihr euch so etwas vorstellen?
Die schweren hölzernen Leiterwagen wurden von Ochsengespannen durch den Ort,
auf die Felder gezogen. Damals konnte man auf der Bahnhofstraße, welche auch die Hauptstraße war, noch richtig spielen.
Wenn da einmal ein Auto kam, tuckerte es gemütlich die Straße entlang.
Zeit genug, um zu Seite zu treten, nicht in Panik zu geraten, um zu rennen.
Den Ort, den wir als Kinder nicht oft genug aufsuchen konnten, war das kleine Kaffee Merkel.
Ich denke, wir konnten ziemlich hartnäckig betteln, um einen Groschen zu bekommen.
Dort gab es das leckerste Eis der Welt, jedenfalls für uns Kinder.
Nicht immer hatten wir alle Glück, einen Groschen zu ergattern und doch rannten wir gemeinsam los. Wir hofften, dass Onkel oder Tante Merkel gut gelaunt waren, denn dann gab es ob mit oder ohne Groschen Eis für alle.
Wir im Dorf waren alle eine große Familie. Wenn wieder mal „der Klapperstorch“ ein Baby bringen sollte, kam unsere alte Hebamme oder Gemeindeschwester auf dem Fahrrad.
Die Frauen versammelten sich meist vor der Hoftür, um ja den ersten Schrei nicht zu verpassen.
Trauer kam auf, wenn die schwarze Kutsche mit den weißen Gardinen, gezogen von zwei
rabenschwarzen Pferden, die Bahnhofstraße heraufkam. Jeder, der nicht auf dem Feld beschäftigt war, gab dem Verstorbenen die Ehre, ihn bis zur Leichenhalle zu begleiten.
Auch wurden natürlich Hochzeit gefeiert. Das Brautpaar musste einmal durch das ganze Dorf laufen, um die wartenden Gäste einzusammeln. Das war vielleicht ein langer Zug, der dann in unserer Kirche ankam.
Egal was geschah, man freute, lachte und weinte miteinander. Man tauschte Eier gegen Wurst
oder Obst gegen Kartoffeln. Niemand musste Angst haben, alleine zu sein. Jeder trug ein Stück Verantwortung.
Während ich das heute schreibe, stehen wirklich Tränen in meinen Augen.
Wir hatten sie, diese Vorbilder, die man als Kind so nötig braucht, um erwachsen zu werden.
Damals kam es mir so vor, als würde das Dorf mit mir zusammen immer ein Stückchen wachsen. So war es auch.  Nur immer hübsch der Reihe nach.
Vieles würde sonst an schönen Geschichten verloren gehen ..

Nickname 10.09.2009, 19.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschichten aus der Bahnhofstraße

Geschichten aus der Bahnhofstraße


In einem kleinen Dörfchen im Taunus erlebte ich wenn auch mit
kleinen Unterbrechungen meine Kindheit.
Damals war Anspach im Taunus noch eine kleine Gemeinde.
Sie überwiegend aus Bauernhöfen auf denen die Feldarbeit und die Nutztiere
im Vordergrund standen.
Es gab einen kleinen Konsum, eine Apotheke, einen kleinen Friseur sowie
einen Laden, wo man sich mal hin und wieder Kleidung kaufen konnte.
Schließlich fuhr der Bahnbus zur Kreisstadt nur zweimal am Tag.
Das größte Gebäude in unserem Dorf war unsere Kirche und das Gemütlichste,
unser kleines Backhäuschen.
Dort kamen wir Dorfkinder einmal wöchentlich zusammen, beladen mit unseren Blechen,
um das Brot backen zu lassen. Das war nämlich damals unsere Arbeit – der Beitrag von uns Kindern. Wir mussten in Haus und Hof altersgemäß unseren Beitrag leisten.
Es war eine sehr schwere, lehrreiche und schöne Kindheit, aus der ich einige kleine
Geschichten erzählen möchte.
Geschichten von damals. Zeiten, in denen man mich das kleine Kieselsteinchen nannte.

Wer mag, kann mich gerne auf meiner Reise in die Vergangenheit begleiten. Auch wenn vieles nicht immer leicht war, wie sagt man?
"Aber schön war es doch!"


in  

Nickname 10.09.2009, 19.12 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Auf Entdeckunsreise im Buchwusselland

 

Nickname 21.08.2009, 17.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mama kommt morgen bezahlen

 

Nickname 04.07.2009, 14.40 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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Glückmomente sammle ich

lebe gut von ihren Zinsen
beutelt dann das Böse mich
reichen diese um zu grinsen 

© Celine Rosenkind








Ganz privat erlebt man mich :





Gefühle muss man sorgsam hegen

mit Liebe wie mit Ehrlichkeit
es ist ein gar aufwendiges Pflegen
doch sicher ist´s es lohnt die Zeit

©Celine Rosenkind






Ist der Himmel grau
und trübe

glaub mir nur
die Sonne scheint

vom Strahlen ist sie
manchmal müde

wie auch ein Mensch
der einmal weint

© Celine Rosenkind


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