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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Tagebuch
Liebe ohne Ende

Liebe ohne Ende
In einem kleinen verträumten Dörfchen lebte zu meiner Jugendzeit ein altes Ehepaar.
Es unterschied sich vom Äußeren kaum von den Dorf- bewohnern.
Beide waren schon hochbetagt und gingen immer noch Hand in Hand ihren täglichen Besorgungen nach.
Abends, wenn die Bauern sich müde unter unserer alten Dorfkastanie einfanden, saßen auch die beiden Alten in ihrer Mitte.
Händchen haltend und mit einem ganz besonderen Lächeln in den gütigen Augen und auf den Lippen.
Angeregt unterhielten sie sich mit den Dorfbewohnern, während wir Kinder ausgelassen um den Kastanienbaum tanzten.
Ich selbst hatte keine Eltern und kannte Wärme und Geborgenheit nur durch meine damaligen Pflegeeltern.
Froh und dankbar war ich, wenn ich wieder einmal >zu Hause< sein durfte.
Ich konnte mich an diesen beiden Menschen nicht satt sehen.
SIE war klein und zierlich. Von der vielen Arbeit war ihr Rücken leicht gekrümmt und sie himmelte IHN aus wunderschönen graublauen gütigen Augen an.
Sie musste zu ihm aufsehen, denn er war so groß und von schlanker Gestalt.
Er schaute liebevoll auf sie hinab und drückte verstohlen ihre kleine Hand.
Ob sie wohl je gemerkt haben, wie sehr ich sie verehrte und beobachtete?
Für mich stand fest, so wollte ich auch sein, so eine Liebe wie die beiden wollte ich erleben!
Meine Pflegemutter verriet mir nach langem Drängen, dass die Beiden sich sehr spät gefunden hatten. Für eigene Kinder war es zu spät.
Der Krieg hatte in ihrem Leben eine wichtige und traurige Rolle gespielt.
Dass hinter dem Rücken getuschelt wurde, war den beiden Liebenden egal.
Sie gingen unbeirrt Hand in Hand durch unser Dorf. Man sah sie stets zusammen.
Oft sah ich sie beide wartend an der Haltestelle sitzen Hand in Hand.
Er strich ihr sanft das graue lange Haar zurück und oft küssten sie sich, ganz versunken in ihrer eigenen Welt.
Ich nahm jede Gelegenheit war, den beiden Alten zu begegnen.
Ein fröhliches "Guten Tag" und ein lieber Blick aus ihren Augen und die Welt war für mich in Ordnung.
Ich werde niemals den Tag vergessen, der mein Leben verändern sollte.
Unser Pfarrer teilte uns ein, die Erntedankspenden abzuholen. Ich hatte das große Glück die Straße zugewiesen bekommen, wo die beiden lieben Menschen wohnten.
Das Herz klopfte mir bis zum Hals, als ich zitternd und mit weichen Knien vor ihrer Haustür stand um zu klingeln.
Es dauerte eine Weile, bis die Tür geöffnet wurde.
Da standen sie beide eng umschlungen, in weiße Bademäntel gehüllt und lächelten mich an.
Diesen Ausdruck in ihren Gesichtern, diese Liebe, die aus Ihren Augen strahlten, werde ich niemals vergessen.
Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, mich mit den Beiden alleine unterhalten.
Bei anregendem Gespräch wurden Kekse geknabbert und Saft getrunken. Ich war unbeschreiblich glücklich.
Dieses kleine zu Hause der Beiden war mit, so viel Wärme und Liebe ausgefüllt, dass es mir schwer fiel, zu gehen.
Ich war ohne es zu merken, ein bisschen erwachsener geworden.
War ich oft aus Trauer über mein Schicksal schüchtern und stumm, so konnte ich jetzt selbstbewusster durch die Gassen meines Dorfes laufen.
Ich war stolz, stolz darauf, solche Menschen zu meinen Freunden zählen zu dürfen.
Wir haben oft zusammen geredet. Manche Weisheit über das Leben, die Liebe und Erwachsen werden gaben sie mir mit auch meinen Lebensweg.
Aber auch die schönsten Zeiten gehen vorbei.
Ohne Vorwarnung griff das Schicksal ein und versuchte die Beiden zu trennen.
Ich sah meine Freunde nie wieder zusammen in den Straßen oder an der Haltestelle.
Sie lief gramgebeugt allein zum täglichen Einkauf, denn er war sehr krank geworden.
Ich ahnte, dass unsere kurze, wunderschöne, gemeinsam verbrachte Zeit zu Ende war.
Nie wieder hat die kleine zierliche Frau mir zugelächelt und ich hatte Angst etwas Wunderschönes zu verlieren.
Wir alle machten uns Sorgen um das Pärchen, nur helfen konnten wir nicht.
Da war jedes tröstende Wort überflüssig.
Ich war so traurig und fühlte mich so ohnmächtig. Ich war zornig auf meinen persönlichen Gott und wollte das nicht verstehen.
Dann an einem wunderschönen Sonntagmorgen ging es wie ein Lauffeuer durchs Dorf.
Man hatte die Beiden gefunden, tot sich an den Händen haltend, in ihrem Schlafzimmer.
Beide sahen aus, als würden sie schlafen und ein friedliches Lächeln umspielte ihre bleichen Lippen.
Sie hatten den gemeinsamen Tod gewählt, um nicht getrennt zu werden.
Aus Ihrem Testament ging hervor, dass beide in einem Sarg beerdigt werden wollten und wenn man mich nicht beschwindelt hat, kam man dieser Bitte nach.
Sicher habe ich niemals wieder so geweint wie in diesen schrecklichen Tagen.
Ich hatte etwas verloren und erst viel später begriffen, dass ich eine wunderschöne Erbschaft angetreten hatte.
Der Tag der Beerdigung glich einer einzigen Prozession.
Das ganze Dorf war auf den Beinen, um den Beiden die letzte Ehre zu erweisen.
Damals sang ich im Kirchenchor. Mühsam versuchte ich es jedenfalls dieses Lied;
"So nimm den meine Hände und führe mich" zu singen.
Ich schaute in den Himmel und bildete mir ein, die beiden Hand in Hand dort oben zu sehen, mit dem ihnen ureigenem, liebevollen Lächeln.
Das Leben ging weiter, aber es war still unter unserer Dorfkastanie. Keiner hat dort jemals Ihren Platz eingenommen und oft sahen unsere Bauern verstohlen zu den beiden leeren Plätzen.
Wir Kinder tobten nicht mehr so unbekümmert herum wie einst.
Es war, als hätte dieses kleine alte Ehepaar mit seinem stillen Dasein die Liebe in unser Dorf gebracht, die uns nun so fehlte.
Zwei Menschen, unscheinbar und doch so strahlend -- es war, als hätten wir ein wichtiges Kleinod verloren.
Diese beiden Menschen haben etwas sehr Wichtiges in mir geprägt.
Die Erkenntnis wie schön Liebe sein kann und wie sie sein sollte.
Das war ihr Erbe, welches sie an mich weitergegeben hatten!
In mein Tagebuch habe ich geschrieben, nicht eher ruhen zu wollen, bis auch ich solch eine große Liebe gefunden habe.
Inzwischen habe ich sie gefunden, diese große Liebe, von der ich immer nur geträumt habe.
Ich habe den wundervollsten Mann der Welt und nun bin ich die kleine Frau, die IHN anbetet und ohne ihn nicht leben will und kann.
Wenn unsere Lebensuhr abgelaufen ist, dann will ich auch Hand in Hand mit ihm zusammen dorthin gehen, wo nur noch die Liebe regiert.
Urheberrecht Celine Rosenkind
05.08.2009, 14.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Regentonne
Unterm Scheunendach ganz hinten
gezeichnet von Beulen, mit Rost beschlagen,
wenn man mich suchte, hier war ich zu finden,
besonders nach langen Regentagen.
Denn wenn die Sonne aufs Wasser schien,
dann lockte das Funkeln so manches Getier,
oft meint ich da hätte doch jemand geschrien,
mit einem Stock bewaffnet hielt Wache ich hier!
Hier war ich der Held und Retter zugleich
groß und mächtig kam ich mir hier vor,
meine Kämpfe und Siege machten mich reich,
ich hatte für alle ein Herz und ein Ohr.
Wie magisch vom Sonnenlicht angezogen,
wohl denkend es wäre ein prachtvolles Ding,
kam Biene und Schmetterling angeflogen,
bevor es im Regenwasser ums Leben ring.
Auch liess sich von unsrem Kastanienbaum
manch garstige eklige Spinne blenden,
sie webte herab sich in den nassen Traum,
nicht wissend sie müsse grausam verenden.
Doch da stand ja ich mit langem Ast,
stand Wache um zu retten das Leben,
und half manchem unfreiwilligen Gast
wieder in die Sonne zu schweben.
Ich hatte auch einen kleinen Tisch
für besonders kranke Patienten,
erklärte gewichtig,: “du bist doch kein Fisch
um in der Tonne im Wasser zu enden.“
Nur vor den Spinnen da hatte ich Angst,
besonders so schwarze, hässliche und fette,
doch war mir klar, wie das ist wenn man bangt,
und dass es gut ist, wenn auch diese ich rette!
Noch war ich ein Kind, doch ich hatte begriffen,
dass man Leben soll retten und nicht zerstören,
wie schön ist doch helfen ohne betteln zu müssen,
auf sich selbst und nicht auf die anderen hören.
Und noch etwas habe ich früh begriffen
dies scheint das Wichtigste mir zu sein,
dass funkelnde Dinge nicht schön sein müssen,
denn ach wie oft trügt uns der Schein!
Unterm Scheunendach ganz hinten
gezeichnet von Beulen, mit Rost beschlagen,
wenn man mich sucht, hier bin ich zu finden
besonders nach langen Regentagen.
Urheberrecht Celine Rosenkind
29.07.2009, 19.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Mein Geheimrezept

Das Geheimrezept
Es war eben ihre unsinnige Angewohnheit, die mir so viel Angst einjagte.
Wenn sie spät am Abend den Plattenspieler anwarf, mit einer Zigarette in den Mundwinkeln und einem kleinen Plastikeimer bewaffnet das Blumenfenster ansteuerte.
Ja, dann wusste ich was kommen würde. Angst kroch an meinem Körper hoch und drohte mich zu erwürgen. Die grellgeschminkte Tante vom Jugendamt hatte mich einfach wie immer im Stich gelassen.
Neidisch drückte ich mir die Nase am Fenster platt, um zu schauen, wie liebevoll meine Freundin Karin, im Haus gegenüber von Mutter zu Bett gebracht wurde. Ich sehe dieses Bild noch heute vor mir und spüre die Trauer wie damals.
Wenn Tante Otti die Vorhänge zuzog und das Licht ausging, war der Tag für mich noch lange nicht zu Ende.
Ja die Karin, die hatte es gut und ich war ziemlich traurig.
Oft fragte ich mich, warum denn das bei mir alles anders war.
Es war bestimmt schon spät, denn draußen war es bereits dunkel.
Ängstlich sah ich dem geschäftigen Treiben meiner Mutter zu die emsig begann, das große Blumenfenster abzuräumen, um dabei zu entdecken, dass wieder einmal alle Pflanzen auf den Komposthaufen gehörten.
Sie nahm einen großen Zettel und fing an zu schreiben.
Wie gut ich dieses Ritual schon kannte.
Danach würde sie zur Nachbarin gehen, um zu telefonieren.
Kein Wort redete sie dabei, sie schien mich gar nicht zu bemerken.
So wie sie es immer tat, übersah sie mich einfach!
Mich und meine Angst, von der sie nie etwas wissen wollte.
Wir wohnten in einem kleinen Taunusdorf. Zur damaligen Zeit wurde dort um 22 Uhr die Straßenbeleuchtung ausgemacht. Dann lag das ganze Dorf in völliger Dunkelheit.
Ich wartete vergeblich, dass Mutter rasch nach Hause kam. Sie wusste doch um meine Angst.
Als hätte SIE nur auf den Anbruch der Nacht gewartet, kam SIE endlich schnaufend die Treppe hoch und legte mir den verdammten Zettel in die Hand. Wie immer erklärte SIE mir, der Friedhofsgärtner würde schon auf mich warten.
Wortlos und ich auch ungläubig sah ich diese Frau an, die so groß und mächtig mein Leben bestimmte.
Nur etwas war noch größer wie SIE, meine Angst vor diesem langen dunklen Weg, den ich nun gehen musste.
Wir wohnten am Ende des kleinen Dorfes und ich musste mich am Licht der Fenster orientieren, um bis zum Friedhofs- berg zu kommen.
Keuchend rannte ich die Bahnhofstraße hoch, quer durch den Ort um alles schnell hinter mich zu bringen.
Es war wirklich totenstill. Kein Laut kam aus der Dunkelheit, als ich endlich den Friedhof erreichte.
Das schwere Eisentor quietschte, als ich mich mühsam dagegen stemmte, um es zu öffnen.
Hier begann der schlimmste Teil meines Weges.
Manchmal hatte ich Glück. Dann waren Mond und Sterne am Himmel meine Begleiter.
Ängstlich musste ich mich von Grabstein zu Grabstein zu tasten, um nicht vom Weg, wenn man den so nennen konnte, ab zukommen.
Mein Herz klopfte bis zum Hals und ich erinnerte mich an all die Geschichten, die man sich über die Toten, die nachts aus ihren Gräbern kommen, so erzählte.
Da half nur eins.
Ich musste den Geistern zeigen, dass ich ein liebes Mädchen war und so versuchte ich, mir selbst zu helfen.
In diesen Nächten, kann ich dem Leser versichern, sang ich alles, was mir gerade einfiel.
Ja, ich sang bestimmt so inbrünstig, dass alle Geister Mitleid mit mir haben mussten.
Besonders „Ein feste Burg ist unser Gott“ dachte ich mir, müsse doch den Geistern klar machen, dass ich brav zur Kirche ging.
So versuchte ich mit lautem Gesang die Angst besiegen und mir Mut zu machen.
Der letzte grauenvolle Abschnitt war der Weg, der an der Leichenhalle vorbeiführte.
Hier war wenige Tage zuvor eine alte Bauersfrau hingebracht worden und ich wusste genau, dass man sie dort einge- schlossen hatte.
Ich sang, was das Zeug hielt! Sehr laut aber auch andächtig! So erreichte ich das Gärtnerhaus, wo noch Licht brannte.
War ich froh, als ich endlich auf den Klingelknopf drücken konnte, Hundegebell hörte und eine raue Stimme mich fragte, ob ich denn gar keine Angst hätte, so spät noch durch das ganze Dorf zu laufen. Ich und Angst? Das hätte ich damals niemals zugegeben.
Ich dachte nur an den Rückweg und an mein Bett, als mir der Gärtner die viel zu schwere Kiste auf beide Ärmchen legte. So ging ich den Weg zurück, den ich gekommen war.
Singend und in der Hoffnung ich würde heil zu Hause ankommen.
Damals habe ich mir angewöhnt zu singen, wenn ich in eine bedrohliche Situation kam – heute sage ich, ich habe die Angst mit meinem Gesang besiegt – sie weg gesungen.
So hatte ich mein eigenes Rezept entdeckt und war stolz.
Glaubt mir, ich musste noch oft diesen fürchterlichen Weg zu den ungewöhnlichsten Zeiten gehen. Die Angst war immer da, genauso wie mein Gesang, mir immer wieder half, alles zu meistern.
Vielleicht resultiert aus diesen Erlebnissen meine große Liebe zur Musik, denn das Singen ist für mich genauso wichtig wie das Schreiben.
Meine beiden großen Waffen um mein Leben zu meistern. denn auch in meiner Zukunft lauerte das Grauen….
Urheberrecht © Celine Rosenkind
19.07.2009, 16.38 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Glückspilz

Die einzigsten Fotos die ich aus meiner Kindheit habe.....
Ich bin ein Glückspilz,
ins Leben gesprungen,
obwohl
ich
gar nicht willkommen war;
trotzte Lieblosigkeit und Kälte
komm auch
mit großen Problemen klar!
Bin oft auch dem Tod
von der Schippe
gesprungen,
schon wartend stand da der Sensenmann,
erfolgreich hab ich um
Träume gerungen
habe bewiesen,
dass ich etwas kann!
Mein Lachen
habe ich selten verloren,
auch wenn manches so ausweglos schien
hab
Menschen getroffen die an mich glaubten
nur so konnte ich werden,
das was
ich jetzt bin.
Mein Herz hängt nicht
an Macht, Ruhm und Geld,
nie
aufzugeben macht doch einen Held!
Auch Mensch zu bleiben an schwierigen
Tagen,
nicht über jeden Kummer weinen und klagen.
Den Hass mit Liebe
zu besiegen,
das hab ich mir immer zum Ziel gesteckt,
offen meine Meinung
zu sagen,
auch wenn ich damit oft angeeckt.
Ich suchte die Liebe und
hab dich gefunden,
auch wenn ich
daran schon nicht mehr
geglaubt.
Auf einer kleinen Treppenstufe
hat dein Lächeln mir die Sinne
geraubt.
Ich liebe das Leben und
das Leben liebt mich,
drum
verkünde ich stolz:
"Ja, ein Glückspilz bin ich!"
© Celine
Rosenkind
11.07.2009, 17.55 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Fremde Schuhe
Fremde Schuhe
(Eine wahre Episode aus meine Kindheit)
Die wichtigsten Jahre meines Lebens habe ich in fremden Schuhen laufen müssen.
Das war sehr schmerzhaft zumal die Schuhe entweder zu klein oder zu groß gewesen.
Wenn ich Schuhe brauchte, kletterte meine Mutter auf den Dachboden, um in ihrer großen Kiste zu wühlen. Allerlei wunderliche Schätze flogen mir, während sie stöberte um die Ohren.
Zerfledderte Notenblätter, wundervoll weiche Stoffe und zusammen mit vergilbten Fotos die geheimnisvollen alten Bücher.
Meistens wurde sie schnell fündig auf ihrer Suche nach Schuhen, die sie mir grinsend übereignete.
Immer mit den Worten, „es wird schon für eine Weile gehen.“
Dann sammelte sie in Windeseile ihre Schätze wieder ein, um die Truhe zu verschließen.
Davon abgesehen, dass die Schuhe mir nie gepasst haben, tröstete mich die Gewissheit, eines Tages einmal das Geheimnis der alten Kiste lösen zu können.
Die Schuhe gehörten nicht zu mir, meine Füße fühlten sich darin nicht zuhause.
Jeder Schritt tat unheimlich weh und die Tränen kullerten, ohne dass ich sie zurückhalten konnte. Das machte mich oft wütend, denn keiner durfte sehen, dass ich und ob ich traurig war oder Schmerzen hatte. Meistens musste ich meine Fußzehen umklappen, um laufen zu können. Die Schuhe waren meistens zu klein. Oft trug ich aber auch große schwere Skistiefel, in denen meine Füße keinen Halt hatten. Ich rutsche darin haltlos hin und her und bekam große Blasen beim Laufen.
Aber ich bin gelaufen, ich bin nicht stehen geblieben und habe niemals aufgegeben.
Oft stand ich in unserem kleinen Dorf vor dem einzigen Schuhladen und bewunderte diese blank polierten wundervollen Schuhe. Ich las die Preise und träumte davon, ganz schnell groß zu werden, um Geld zu verdienen. Dann wollte ich mir auch eigene Schuhe kaufen.
Ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Ich lernte darin, auch unter Schmerzen Würde zu bewahren. Jammern vor anderen Kindern oder gar den Erwachsenen, habe ich niemals getan. Das Einzigste, was mir sehr schwer fiel. war meine Gangart zu beherrschen.
Dann kam der große Tag in meinem Leben.
Ich hatte mein erstes Lehrlingsgehalt bekommen. und ich kaufte mir die ersten eigenen Schuhe. Ich weiß noch, dass sie aus schwarzem Lack waren, und ich gerade 14 Jahre alt.
Sie passten, sie waren bequem und ich war so stolz.
Für mich war es eigentlich das erste Mal, wo ich erfahren durfte, wie sehr es sich lohnt warten zu können, wenn man sein Ziel nicht aus den Augen verliert.
Übrigens das Geheimnis der Kiste habe ich niemals lösen können.
Man hat mir später nur versichert es sei besser gewesen.
Und ich habe von vielen Menschen in dem kleinen Dorf Anerkennung eingeheimst.
Eigentlich bin ich dankbar, diese schmerzvolle Erfahrung gemacht zu haben.
Man hat mir wehtun wollen, in dem man mir zeigte, dass ich nicht mal ein paar Schuhe wert sei - nur mit dem Ergebnis hat keiner gerechnet.
(aus meiner Biografie: „Ich wollte nur ein bisschen leben…")
Urheberrecht Celine Rosenkind
09.07.2009, 13.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Der Triumph der Lüge
Der Triumph der Lüge
Alles begann an einem Sommertag im Jahre 1967.
Die angebliche , vom Jugendamt angeordnete Urlaubsreise nach Berlin, hatte sich als eine böse Falle entpuppt.
An jenem Tag hatte man mir mein altes Leben einfach weggenommen.
Ich hatte gerade meinen 17. Geburtstag gefeiert, und versuchte mich in meiner Urlaubsstadt Berlin
ein wenig wohlzufühlen. Nur noch zwei Tage jubelte mein Herz, dann würde es endlich wieder Richtung Heimat gehen. Ich vermisste mein Zuhause, meine Pflegeeltern und die Taunuswälder. Mir fehlte unser kleiner Bauernhof mit all seinen Tieren. Ich vermisste den weiten Himmel und die Sonnenuntergänge. und ich hatte Sehnsucht nach meiner ersten großen Liebe.
Aber dann kam alles ganz anders.
An jenem herrlichen Sommermorgen hatte mir meinen Personalausweis wegen Fluchtgefahr abgenommen.
Der hässliche dicke Mann mit dem Schwabbelgesicht hatte mir ein Schriftstück unter die Nase gehalten und stolz verkündet, ich müsse ihn nun Vater nennen.
So waren die beiden kleinen Buben also nun meine Halbbrüder und die grellgeschminkte rothaarige Frau meine neue Mutter. Fassungslos sah ich meine neue Familie an und begann ganz langsam zu begreifen.
Nein, ich träumte nicht und ich war auch nicht in einem falschen Film.
Ich war von nun an Tochter dieser mir fremden Menschen.
Vieles was an jenem Tag noch erklärt wurde rauschte an mit vorbei. Ich hatte an einem einzigen Tag, alles was mir etwas bedeutet hatte verloren.
Hilflos und traurig nahm ich meinen kleinen Halbbruder auf den Arm. So konnte ich unter dem Vorwand, er müsse dringend an die frische Luft, die Wohnung verlassen.
Ich suchte einen nahe gelegenen Spielplatz auf, gab Torsten ein paar Sandförmchen und versuchte meine Gedanken zu ordnen.
Ich war gerade dabei an einem Fluchtplan zu schmieden da spürte ich eine Hand auf meiner Schulter.
Danny, der Junge aus dem Nachbarhaus stand hinter mir und grinste mich an.
„Na Heideröslein, nun geht es ja endlich wieder nach Hause“, meinte er und zog an meinen langen Haaren.
Ich wollte ihm gerade erklären was inzwischen passiert war aber da heulte ich auch schon jämmerlich los.
Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat ihm alles verständlich zu erzählen.
Empört schaute er mich an. „Das dürfen die doch gar nicht,“ meinte er und erzählte, dass sein Vater einen hohen Rang bei der Polizei hätte. Der würde mir schon helfen versicherte er glaubwürdig und einen neuen Personalausweis würde er mir auch sicher beschaffen. Aber es würde sicher eine Weile dauern meinte er.
Das leuchtete mir ein und ich wurde etwas ruhiger.
Danny war ein netter Kerl. Er war in der Abiturentenklasse und seine Eltern waren beide berufstätig.
Mein „Vater“ hatte gegen diese Freundschaft nichts einzuwenden.
Schließlich hatten die Eltern einen Beamtenstatus und das war halt in seinen Augen etwas Feines.
So lernte ich in der Zeit des Wartens Berlin wein wenig besser kennen.
„Currywurst mit Pommes“, waren längst zu meinem Lieblingsessen geworden. Ich bewunderte den Aufbau der Gropiusstadt, die nicht weit von uns aus dem Boden gestampft wurde.
Ich lernte Tempelhof mit seinem großen Flughafen lieben. Dort verbrachte ich mit meinem kleinen Halbbruder ganze Nachmittage. Ein kleines Café mit Imbiss lud dort zum Schauen und Verweilen ein.
Sehnsüchtig schaute ich den großen Flugzeugen beim Starten und Landen zu.
Bald, da war ich mir ganz sicher, würde mich eines der Flugzeuge wieder nach Hause bringen.
Inzwischen fühlte ich mich in meiner Mutterrolle, die ich bei dem kleinen Torsten übernommen hatte, recht wohl. Kinder waren von je her etwas ganz Besonderes für mich.
Zu meinen zahlreichen kleinen Freunden gehört auch Torstens Freundin Sarah.
Sarah war ein quirliges kleines Wesen und hatte immer Streiche im Kopf. Am allerliebsten spielte sie verstecken. Das brachte uns manch aufregenden Abend ein, wenn sie nicht pünktlich vom Spielplatz zurückkehrte.
Der Teltowkanal floss nur einen Gehweg weiter von unserer Wohnsiedlung entfernt. Oft suchten wir in der Dunkelheit mit Taschenlampen bewaffnet nach ihr. Wir hatten immer Erfolg bis auf einen Abend.
Sarah blieb verschwunden. All unser Rufen und auch das Hundegebell schien sie nicht aus ihrem Versteck locken zu können.
Danny und ich waren bei jedem Suchtrupp dabei. Ich hatte mich ein wenig verliebt in seine nette und aufmerksame Art. Wenn seine grünen Augen mich anstrahlten, dann ging es mir irgendwie gut.
Sarah blieb verschwunden. Die Polizei begann mit Tauchern, den Teltowkanal abzusuchen.
Ganze Einsatztruppen, allen voran Dannys Vater durchkämmten die Häuserblöcke.
Ja und da war noch Danny. Unermüdlich unterstützte er die Suche, verteilte Kaffee und schaute dem Treiben gebannt zu.
Er wollte schließlich unbedingt zur Polizei nach dem Abitur und danach zur Mordkommission.
Ich begann, ihn immer mehr zu bewundern.
Die Leute in der Siedlung tuschelten welches Glück doch seine Eltern hätten so einen tollen Sohn zu haben.
Sarah war nun schon 14 Tage verschwunden. Alle waren ratlos. Danny war sehr traurig und Torsten vermisste sein kleine Freundin.
Ich werde niemals vergessen, wie uns die Sirenen der Polizeiautos aus dem Schlaf holten.
Es hieß man habe Sarah gefunden. Der Schäferhund eines Hausbewohners, wo Danny mit seinen Eltern lebte, hatte sich auffällig benommen. Er hatte sich nach dem letzten Spaziergang von der Leine gerissen und war zu den Trockenböden gestürmt.
Einer dieser Dachböden war von Dannys Eltern gemietet. Hier fand man die kleine tote Sarah.
Sie war einem fürchterlichen Verbrechen zum Opfer gefallen und der Täter gestand noch vor Ort.
Es war mein Freund Danny.
Dieser immer nette und strebsame junge Mann. Als man ihn abführte, grinste er mich an und meinte:“ Kopf hoch Heideröslein, man muss sich selbst einen Kick geben in dieser Stadt, um zu überleben“.
Ich habe 33 Jahre in dieser mir einst so verhassten Stadt verbracht, habe gelernt Hochhäuser und Plattenbauten zu lieben aber diese Gänsehaut wenn ich an Wohnungstüren vorbeigehe, bekomme ich immer wieder.
Urheberrecht Celine Rosenkind
09.07.2009, 12.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL
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Nicht nur
nach Kalendertagen
planen,lachen,
lieben,scherzen,
lasse dich
durchs Leben tragen,
mit Datenspeicherung
im Herzen
© Celine Rosenkind
Glückmomente sammle ich
lebe gut von ihren Zinsen
beutelt dann das Böse mich
reichen diese um zu grinsen
© Celine Rosenkind

Ganz privat erlebt man mich :

Gefühle muss man sorgsam hegen
mit Liebe wie mit Ehrlichkeit
es ist ein gar aufwendiges Pflegen
doch sicher ist´s es lohnt die Zeit
©Celine Rosenkind

Ist der Himmel grau
und trübe
glaub mir nur
die Sonne scheint
vom Strahlen ist sie
manchmal müde
wie auch ein Mensch
der einmal weint
© Celine Rosenkind


in Tagen: 434
















